Schräge ESC-Auftritte im Video - Loser, Langweiler und Lachnummern
Er hat uns Weltstars wie ABBA, Johnny Logan oder Céline Dion geschenkt, gleichzeitig ist der Eurovision Song Contest jedes Jahr ein fröhliches Fremdscham-Feuerwerk. Manche Songs sind gähnend monoton, manche Stars überzogen gut drauf und manche Shows wirken wie ein Fiebertraum. Am Ende haben sie aber doch eins mit den großen ESC-Stars gemeinsam: sie unterhalten uns bis heute. Moderator Jonas Neureither stellt euch hier besonders “bemerkenswerte” Beiträge vor - von punktlosen Versagern bis zu grandiosen Gurken.
Dänemark 1982
Zumindest einer war eine musikalische Größe bei diesem Auftritt: Star-Dirigent Allan Botschinsky begleitete die gerade neu formierte Gruppe Brixx. Der Jazzmusiker dirigierte das damals noch übliche Live-Orchester für den dänischen Beitrag. Die schräge Einlage “Video Video” ließ sich dadurch aber auch nicht mehr retten. Mit knallbunten Outfits und stakkato-haftem Gesangsstil waren Brixx vielleicht ein bisschen extrem für das damals noch sehr konservative Grand Prix-Publikum. Verglichen mit dem, was Anfang der 80er in de deutschen Pop-Szene los war, war das allerdings absoluter Zeitgeist! Dennoch gab's am Ende nur spärliche fünf Punkte für die Dänen um Sänger und Songwriter Jens Brixtofte. Einzig Finnland war noch schlechter und abgespacter an diesem Abend in Harrogate - dazu kommen wir sicher auch noch.
Zypern 1985
Diese Frau hat einen wirklich fantastischen Namen in ihrem Pass stehen: Olympia Vissi! Die Zypriotin kürzt den Namen für die Bühne allerdings ab - übrig bleibt nur noch “Lia”. Und auch wir können das an dieser Stelle abkürzen: ihr Song “To katalava arga” (zu Deutsch: “Ich verstand zu spät”) war so gar nicht olympisch. Beim Eurovision Song Contest 1985 in Göteborg reichte es für die schüchterne, junge Frau daher nur für Platz 17. Kurios: am Ende hatten der Beitrag aus Griechenland und das ebenfalls griechische “To katalava arga” exakt die gleiche Punktzahl. Mit 15 dürftigen Zählern kamen Lia Vissi und ihr Kontrahent vom Festland ins Ziel - jeweils acht davon hatten sich Zypern und Griechenland gegenseitig zugeschoben.
Irland 1989
Er wollte uns allen mal sein wahres Ich zeigen: der irische Sänger Kiev Connolly brachte den Song “The real me” an den Start. Mit seiner Gruppe The Missing Passengers war der Mann aus dem nördlichen Teil der Inselrepublik vor allem in Deutschland schon ein bisschen bekannter. Von 1978 bis 1987 lebte Connolly bei uns und arbeitete als Studiomusiker und Produzent in West-Berlin. Seine Gruppe hatte in der Zeit mehrere Auftritte im deutschen Fernsehen. Und immerhin: vier Punkte haben wir am 6. Mai 1989 für den Hünen mit Pferdeschwanz locker gemacht. Ansonsten dürfte der Ire die Punktevergabe beim ESC in Lausanne nicht ganz so gut in Erinnerung behalten haben - mit schwachen 21 Punkten sortierte sich sein Beitrag am Ende auf Platz 18 von 22 ein.
Norwegen 1981
Mit Agnetha und Annifrid von ABBA haben später noch echte ESC-Größen diesen Song hier erfolgreich neu aufgelegt - entweder trotz oder gerade wegen seiner miesen Grand Prix-Leistung. Mit “Aldri i livet” (zu Deutsch: "Niemals im Leben") trat Blondschopf Finn Kalvik für sein Heimatland an. Auch sein Starstatus in Norwegen konnte ihm aber nicht helfen - der Abend in Dublin endete desaströs. Mit null Punkten blieb dem Chansonnier nur der letzte Platz im Feld. Immerhin: die Skandinavier waren zu dem Zeitpunkt schon leidgeprüft - seit 1973 hatte es keine einstellige Endplatzierung mehr gegeben.
Luxemburg 1987
Die hier waren alles andere als leidgeprüft: Luxemburg hatte schon fünf Grand Prix-Siege in den Geschichtsbüchern stehen, als 1987 Plastic Bertrand ran durfte. Der Belgier trat zwar für den kleineren Nachbarn im Süden an, das allerdings vor heimischem Publikum in seiner Geburtsstadt Brüssel. Ja, das hätte als gutes Omen gelten können - mehr als das war's dann aber auch nicht. Mit vier dünnen Pünktchen standen Plastic Bertrand und sein Titel “Amour amour” nur knapp vorm Totalausfall. Der eigentlich international bekannte Musiker, Schauspieler und Entertainer musste als Vorletzter wieder nach Hause fahren… äh zu Hause bleiben!
Türkei 1983
Mal wieder eine Nulpe: Cetin Alp and the Short Waves blieben beim zweiten Grand Prix auf deutschem Boden punktlos. In der Münchner Rudi-Sedlmayer-Halle feierte die Türkei bereits ihre siebte ESC-Teilnahme. Eigentlich ein guter Anlass, um den Fluch der Schwarzmeer-Nation zu brechen - bislang waren die Türken nie besser als Platz 15 gewesen. Aber für den gut gelaunten Anatolier Alp stand nur während seiner eigenen Performance Party auf dem Plan - er und sein Song “Opera” grüßten am Ende vom geteilten letzten Platz. Sein Trost: während Eurovisionsteilnehmer in der Türkei oft schnell in Vergessenheit geraten, erfreute er sich weiterhin großer Bekanntheit - wenn auch als Verlierer schlechthin.
Finnland 1980
Am 19. April 1980 war es soweit: endlich startete auch der ESC in ein neues Jahrzehnt. Das ganze hieß an diesem Tag “Eurovisie Songfestival” und fand in Den Haag statt - dank Vorjahressieger Niederlande. Aber das hier ist keine Rubrik für Gewinner, sondern vor allem für die erfolglosen, aber dennoch unterhaltsamen Songs des Wettbewerbs. Und aus der Sicht gab der Finne Vesa-Matti Loiri schon eine top Figur ab. Als Schauspieler und Kabarettist wusste der Mann aus Helsinki schon seit den 60ern, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Diese Qualität dürfte ihm als Musiker auf der Grand Prix-Bühne geholfen haben: mit dem Song “Huilumies” (zu Deutsch: “Flötenspieler”) flötete er sich fröhlich zu faden sechs Punkten - Letzter!