Fliegen für den Frieden - Mathias Rusts Cessna-Landung in Moskau
Am 28. Mai 1987 sorgte ein junger Mann namens Mathias Rust für weltweite Schlagzeilen. Der ehemalige Realschüler aus der Nähe von Hamburg landete mit einer gemieteten Cessna nahe dem Roten Platz in Moskau. Für viele war dies ein symbolträchtiger Protest gegen den Misserfolg der Abrüstungsgespräche zwischen Kreml-Chef Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan. Rust verfolgte laut eigenen Aussagen die Idee, eine "imaginäre Brücke" zwischen Ost und West zu schlagen. Sein Flug blieb nicht ohne Folgen und hatte erhebliche politische Konsequenzen.
Der Idealist aus Hamburg
Geboren am 1. Juni 1968 in Hamburg-Rissen, war Rust ein junger Mann mit großen Träumen. Nachdem er seine Privatpilotenlizenz beim Aero-Club Hamburg erworben hatte, brach er eine Banklehre ab und arbeitete als Datentypist. Verschiedene Quellen beschreiben ihn als idealistisch und verträumt. Der Flug nach Moskau entstand aus der Enttäuschung über scheiternde Abrüstungsgespräche. Rust wollte ein Zeichen für den Frieden setzen und die Ost-West-Beziehungen verbessern.
Der geheime Flug nach Moskau
Rust plante seine Friedensmission insgeheim. Er erzählte seiner Familie, dass er eine Reise nach Island, Skandinavien und Helsinki plane. Am Flughafen Malmi in Helsinki startete er seinen Flug. Über den Finnischen Meerbusen drang er in den Luftraum der Sowjetunion ein. Bei einer Flughöhe von 600 Metern dachte Rust, er würde nicht als Bedrohung wahrgenommen. Obwohl Flugsicherungssysteme den Flug entdeckten, konnte die sowjetische Luftabwehr nicht verhindern, dass Rust Moskau erreichte.
Die historische Landung
In Moskau fand Rust schließlich einen Landeplatz auf der Großen Moskwa-Brücke, da der Rote Platz zu belebt war. Die Landung mit der Cessna Skyhawk 172 galt als schwerwiegender Sicherheitsverstoß. Dies führte zur Entlassung hochrangiger sowjetischer Militärs und ermöglichte Gorbatschow umfassende Reformen in der Armee durchzuführen. Rusts Aktion brachte ihm internationale Bekanntheit ein.
Der Preis für den Frieden
Nach der Landung wurde Rust zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Doch bereits nach 14 Monaten erhielt er im Lefortowo-Gefängnis eine Begnadigung. Rust verbrachte seine Zeit im Gefängnis mit der Reparatur von Büchern. Insgesamt schien er ein kooperativer Gefangener zu sein.
Vom Friedenspiloten zum Skandal
Nach seiner Freilassung blieb Rust im öffentlichen Interesse. Er geriet erneut in die Schlagzeilen, unter anderem wegen eines Angriffs auf eine Krankenschwester. Dennoch blieb das öffentliche Interesse an seiner Friedensmission bestehen und wurde Thema von Zeitungsberichten und Dokumentationen.
Das Vermächtnis des jungen Piloten
Die Cessna, mit der Rust nach Moskau flog, steht heute im Deutschen Technikmuseum Berlin und war zuvor auch in anderen Ausstellungen zu sehen. Rust gilt in der Popkultur oft als Symbol jugendlichen Idealismus und Naivität. Seine Geschichte fand ihren Niederschlag in diversen literarischen und kulturellen Werken.