Nachrichten > Top-Meldungen >

Corona-Virus: Erste Krankheitsfälle in Europa

Corona-Virus rückt näher - Erste Krankheitsfälle in Europa

Neues Corona-Virus in Europa angekommen

In Frankreich ist eine dritte Infektion mit dem aus China stammenden neuen Coronavirus bestätigt worden. Es handele sich dabei um einen nahen Verwandten einer der beiden Personen, bei denen die neue Lungenkrankheit zuvor diagnostiziert worden war, teilte das Gesundheitsministerium mit. Alle drei Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten und seien in Krankenhäusern isoliert worden. Zurzeit werde geprüft, mit wem sie noch in Kontakt gewesen sein könnten. Es sind die ersten bestätigten Fälle in Europa.

Diese drei Infizierten sind offenbar aber nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte bei einer Pressekonferenz. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren demnach am 18. Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen.

Auch dem dritten Patienten, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es gut, sagte der Bürgermeister der Stadt, Nicolas Florian. Der 48-jährige Franzose chinesischer Herkunft sei im Weingeschäft tätig und reise zwischen Frankreich und China hin und her. Bis zu 15 Personen, mit denen er seit seiner Rückkehr nach Frankreich in Kontakt gewesen sei, habe man identifiziert, so der Bürgermeister. In Bordeaux wurden aufgrund des Gesundheitsrisikos die Feiern zum chinesischen Neujahr an diesem Sonntag abgesagt.

Weitere Verdachtsfälle in Europa

Nach einem Bericht der schottischen BBC gibt es auch vier Verdachtsfälle in Schottland. Die Menschen wiesen Symptome einen möglichen Coronavirus-Erkrankung auf, heißt es. Demnach waren die Betroffenen innerhalb der letzten zwei Wochen in Wuhan, dem Epizentrum des Ausbruchs. Dieser Zeitraum entspricht der Inkubationszeit des Virus. Laut BBC sind die Patienten aktuell in Krankenhäusern in Edinburgh und Glasgow und werden auf die Lungenkrankheit getestet.

Autobauer PSA will Mitarbeiter aus betroffener Region abziehen 

Die französische Automobilgruppe PSA Frankreich will unterdessen ihre Mitarbeiter und deren Familien aus der schwer von der Lungenkrankheit betroffenen chinesischen Metropole Wuhan zurückholen. Die Initiative werde in Abstimmung mit den chinesischen Behörden und dem französischen Generalkonsulat durchgeführt, zitierte die Nachrichtenagentur AFP am Samstag aus einer Mitteilung des Autobauers. Insgesamt soll die Rückführung 38 Menschen betreffen.

USA und Frankreich wollen Mitbürger ausfliegen

Das französische Außenministerium gab bekannt, es prüfe mit den chinesischen Behörden, welche Möglichkeiten es für französische Staatsangehörige gebe, Wuhan zu verlassen. Dort leben viele Franzosen, weil PSA und Renault-Nissan mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng jeweils Joint Ventures betreiben. Sicherheitshalber sollen die Menschen dann für zwei Wochen in einem medizinischen Zentrum beobachtet werden. Das britische Außenministerium forderte Briten auf, die Provinz Hubei zu verlassen. Auch Japan bereitete eine Rückführung von Staatsbürgern aus Wuhan vor. Die USA wollten heute Angehörige des Konsulats in Wuhan ausfliegen.

© dpa

China, Beijing: Reisende stehen mit Rollkoffern in der Nähe des Pekinger Bahnhofs und tragen Mundschutz.

Das aus China stammende Coronavirus lässt immer mehr Menschen an einer neuen Lungenkrankheit sterben. Die chinesische Gesundheitsbehörde berichtet über mittlerweile 80 Todesopfer und fast 2.800 Infizierte in der Volksrepublik - rund 700 mehr als noch am Vortag

Viele in kritischem Zustand

Von den Patienten in China seien 461 schwer erkrankt, berichtete das Staatsfernsehen. Allein in der Elf-Millionen-Metropole Wuhan und der umliegenden Provinz Hubei wurde der Zustand von weiteren 69 Erkrankten als kritisch beschrieben. Das neue Virus stammt nach ersten Untersuchungen vermutlich von einem Markt in Wuhan, wo es möglicherweise von Wildtieren auf den Menschen übergesprungen ist.

Zig Millionen Menschen "unter Quarantäne"

Im Kampf gegen die Krankheit hatte China rund 40 Millionen Menschen praktisch unter Quarantäne gestellt. Die Behörden riegelten unter anderem die Elf-Millionen-Metropole Wuhan ab, in der die meisten Fälle aufgetreten sind. Mehr als zehn weitere große Städte in der Provinz Hubei sind ebenfalls von starken Einschränkungen betroffen: Flüge, Züge, Fähren, Fernbusse und der öffentliche Nahverkehr sind gestoppt, die Ausfallstraßen wurden nach und nach gesperrt. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden - bei Nichteinhaltung drohen Strafen. Rasch waren Straßen, Märkte und Einkaufszentren wie leergefegt. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen.

Krankenhäuser überfordert?

Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt. Auch wurden 14 000 Schutzanzüge bereitgestellt. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Die Krankenhäuser der Stadt sind offenbar völlig überfordert. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt.

Coronavirus jetzt auch in Australien

Nach mehreren anderen Ländern hat nun auch Australien einen Fall der vom neuen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit bestätigt. Der Erreger sei bei einem Mann nachgewiesen worden, der vergangene Woche aus China nach Australien eingereist und zuvor in Wuhan gewesen sei, sagte Gesundheitsministerin Jenny Mikakos. Bei dem unter Quarantäne stehenden Patienten handelt es sich Mikakos zufolge um einen Chinesen, der in stabilem Zustand sei. Darüber hinaus würden fünf Verdachtsfälle im Bundesstaat New South Wales und zwei im benachbarten Queensland überprüft.

Nachweise wurden auch aus vielen anderen asiatischen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet. In den USA waren bis zum Sonntag fünf Fälle bestätigt worden - in Seattle, Chicago, Kalifornien und Arizona.

Marburger Wissenschaftler helfen bei Impfstoff-Suche

Das neuartige Coronavirus beschäftigt auch hessische Wissenschaftler.

Suche nach Gegenmittel

Virologen der Uni Marburg sind an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Lungen-Erreger beteiligt. Die Wissenschaftler nutzen dafür eine sogenannte Impfstoffplattform, wie Stephan Becker erläutert, der Direktor des Marburger Instituts für Virologie. Mit diesem Verfahren sollen möglichst schnell Gegenmittel für neue Viren gefunden werden. "Man kann aber nicht erwarten, dass man bereits in der ersten Ausbruch-Phase eines neuen Virus einen Impfstoff zur Verfügung hat", betont Becker, der mit seinem Team schwerpunktmäßig hochansteckende Erreger erforscht.

Baukasten-System hilft dabei

Mit der Plattform, die wie ein Baukastensystem für Viren und passende Antigene funktioniert, soll die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt werden. Mindestens ein Jahr dauert es, bis klar ist, ob ein Mittel wirkt und sicher ist, so Becker. Sein Institut arbeitet mit anderen Wissenschaftlern zusammen, unter anderem am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Über die Beteiligung der Marburger an der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff hatte zuvor die "Oberhessische Presse" berichtet.

Mehr von harmony.fm

Für Ihren Feierabend Kulthit-Voting

Sie entscheiden, welcher Song bei harmony.fm nach den 18-Uhr-Nachrichten läuft.

Dürfen wir uns vorstellen? Über harmony.fm

Die großen Hits aus einer guten Zeit, das ist harmony.fm. Hier erfahren Sie mehr über uns und unsere Musik.

nach oben