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"Pushback" ist das Unwort des Jahres 2021

Jury in Marburg verkündet - "Pushback" ist das Unwort des Jahres 2021

© DPA

Rund 1.300 Vorschläge für das Unwort des Jahres sind bei der Jury in Marburg eingegangen. Jetzt steht fest: "Pushback" macht das Rennen.

Der englische Begriff wird im Zusammenhang mit Zurückweisungen von Flüchtlingen an Grenzen verwendet. Ganz unterschiedliche Politiker, Journalisten und Organisationen verwendeten im Jahr 2021 den Ausdruck in Debatten zur Einwanderung über die europäischen Außengrenzen.

Begriff beschönigt menschenfeindlichen Prozess

Die Jury kritisiert die Verwendung des Ausdrucks, weil mit ihm ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt wird, heißt es von der Jury in Marburg. Den Flüchtenden wird somit ein faires Asylverfahren vorenthalten. Dass ein Fremdwort dafür verwendet wird, trage zur Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte und das Grundrecht auf Asyl bei.

Jury-Sprecherin Constanze Spie?: "Das Wort wird negativ zweckentfremdet"

Eine Jury kürt jedes Jahr das Unwort des Jahres. In diesem Jahr das Wort "Pushback", das menschenverachtende Zustände beschreibt, so Spie?

Weil es im Migrationsdebatte eine Praxis bezeichnet, von Europas Grenztruppen flüchtende an der Grenze zurückzuweisen und das häufig in diesen Debatten von unterschiedlichsten gesellschaftlichen Akteuren verwendet wird. Und wir kritisieren daran vor allem Dingen hier um einen menschenfeindlichen Prozess handelt, bei denen die Menschen daran gehindert werden, einen Menschen und Grundrechte wahrzunehmen.

© harmony.fm

Zahlreiche Begriffe eingereicht

Von den rund 1.300 Vorschlägen erfüllten knapp 45 Begriffe die Kriterien, heißt es von Jury-Sprecherin Constanze Spieß, die Sprachwissenschaftlerin aus Marburg ist. Wie oft ein Wort eingereicht wurde, spielt für den Gewinn aber keine Rolle. Platz 2 macht ihn diesem Jahr das Wort "Sprachpolizei", auf dem dritten Platz sind Vergleiche mit dem Nationalsozialismus wie etwa "Impfnazi".

Rüge für unangemessene Wörter

Die Jury will jedes Jahr mit der Wahl eines Unwortes auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Gerügt werden Begriffe, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die verschleiernd oder irreführend sind. Bisher wurden die Unwörter in Darmstadt präsentiert worden. Mit einem Wechsel bei der Jury zog die Bekanntgabe nun an die Uni Marburg um. 2020 gab es sogar gleich zwei Unwörter: "Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften".

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