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Drei Monate nach Hochwasser: harmony.fm-Reporter vor Ort

harmony.fm-Reporter vor Ort im Ahrtal - 3 Monate nach Flut Lage weiter dramatisch

Drei Monate nach der Hochwasserkatastrophe sind die Menschen im Ahrtal noch immer auf massive Hilfe von außen angewiesen. Viele Orte, wie Schuld, Insul, Altenahr, Ahrbrück und Mayschoß sind immer noch gezeichnet von der Sturzflut im Juli. Was ist seitdem passiert? Wie geht es den Menschen - unsere harmony.fm-Reporter haben sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Ein Vierteljahr ist es nun her, dass das extreme Hochwasser im Westen Deutschlands das gesamten Ahrtals verwüstet hat. 133 Menschen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verloren dabei zwischen dem 14. und 15. Juli ihr Leben, tausende Häuser wurden teils vollständig zerstört. Viele Familen haben durch die Jahrhundertflut innerhalb weniger Stunden ihr komplettes Zuhause verloren.

Unsere harmony.fm-Reporter waren vor Ort

Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist dabei in den letzten Wochen teils erst deutlich geworden. Was wurde seitdem in der Region an Wiederaufbau geleistet? Wie geht es den Anwohnern? Und wie bereitet man sich in der aktuellen Situation auf den anstehenden Winter vor? Unsere harmony.fm-Reporter Florian Stendebach und Peter Hartmann waren in den teilweise zerstörten Gemeinden und haben bei Betroffenen und Helfern nachgefragt.

Gute Nachricht: Neue Gasversorgungsanlage geht in Betrieb

1.100 Haushalte in Bad Neuenahr-Ahrweiler können auf Betreiben des Landes ab heute (Donnerstag) wieder mit Gas versorgt werden. Hierfür wurde eine mobile Gasversorgungsanlage in Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtet. Die mobile Anlage dient der Wärmeversorgung zahlreicher Haushalte im bevorstehenden Winter, während die Energienetze Mittelrhein (enm) unabhängig davon an der Wiederherstellung der regulären Gashochdruckleitungen arbeiten. Bereits vor zwei Wochen waren Haushalte in einigen Ortsteilen wieder ans Erdgasnetz angeschlossen worden.

Kinder und Jugendliche besonders hart getroffen

Besonders hart trifft die aktuelle Situation Kinder und Jugendlichen aus der gesamten Region. In Bad Neuenahr-Ahrweiler haben wir mit Lehrerin Tanja Fößel gesprochen: Die Erich-Kästner-Schule, an der sie unterrichtet, befindet sich auch Monate nach dem Hochwasser in einem katastrophalen Zustand. Die Turnhalle ist weiterhin unbenutzbar und nicht mehr wiederzuerkennen, das komplette Untergeschoss mit Sekretariat und Laborräumen ist für Schüler und Lehrer gesperrt. Der Unterricht findet deshalb ausschließlich im Obergeschoss oder festmontierten Zelten statt.

Vom Freibad sind nur die Rutschen übrig

Und auch sonst begleitet die Katastrophe weiter den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Sportanlagen sind größtenteils gesperrt oder wurden zu Hilfs-Camps umfunktioniert, Spielplätze sind teilweise vom Erdboden verschluckt worden. „Damit die Kinder einmal Fußball spielen können, müssen wir sie knapp 40 Kilometer von hier zum Training bringen“, so Anne Theiss, Mutter von drei Kindern. Sie ist noch immer erschüttert, wenn sie am beliebten Familien-Spielplatz direkt an der Ahr oder am völlig zerstörten Freibad Ahrweiler vorbeischaut: "Meine Kinder haben hier schwimmen gelernt. Es ist einfach bitter und traurig, dass das hier alles zerstört ist".  

harmony.fm-Reporter Florian Stendebach vor Ort in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Not-Unterkünfte auf dem Kunstrasen-Platz

Tragischerweise gibt es nach dem Abriss vieler Häuser weiterhin zahlreiche Familien ohne ein eigenes Dach über dem Kopf. Ihnen soll jetzt kurzfristig mit der Einrichtung eines Containerdorfes am Rande des Apollinaris-Stadions in Bad Neuenahr-Ahrweiler geholfen werden. Etwa 150 dieser Container wurden bereits aufgestellt und sollen betroffene Familien und Senioren mindestens bis zum Frühjahr als Unterkünfte dienen.

Tiny Houses für vier Millionen Euro bestellt

Zusätzlich haben die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Verbandsgemeinde Altenahr je 64 sogenannte Tiny Houses für Flutopfer geordert. 32 dieser Minihäuser sollen davon in der Gemeinde Sinzig errichtet werden. Sie sind komplett ausgestattet und bieten auch im Winter einen beheizten Rückzugsort.

"Helfer-Shuttle" koordiniert die Freiwilligen

Unterstützung erhalten die Opfer auch weiterhin vor allem von privaten Helfern, darunter auch zahlreiche Hessen. Viele packen hier seit Wochen mit an und bringen sich auch ohne Fachkenntnisse bei den Aufräum- und Reparaturarbeiten ein. Organisiert wird die tägliche Hilfe seit fast 100 Tagen von der privaten Initiative „Helfer-Shuttle“, die die Freiwilligen täglich aus einem selbst errichteten Basis-Camp im Innovationspark-Rheinland bei Grafschaft in die betroffenen Gebiete transportiert und einteilt.

harmony.fm-Reporter Peter Hartmann im Gespräch mit Helfern in Grafschaft

Bis zu 1.000 Helfer täglich

Täglich kommen hier bis zu 1.000 Helfer an, darunter auch Unterstützer aus dem Ausland. Sie helfen den Hochwasser-Opfern beim Entkernen ihrer durchnässten Wohnungen, schippen weiterhin Schlamm aus Kellern oder reißen alte Bodenbeläge heraus. Auch in der Weinlese helfen täglich 200 bis 300 Freiwillige.

harmony.fm-Reporter Peter Hartmann im "Helfer-Shuttle"-Camp

Bundespräsident Steinmeier bedankt sich

Extremer Einsatz, damit die Häuser nach Monaten der Feuchtigkeit so schnell wie möglich wieder bewohnbar werden können. Vor Ort sagte man unserem Reporter: "Wer seine freien Herbstferientage sinnvoll nutzen möchte, wird hier mit offenen Armen empfangen". Für ihre Leistungen wurden die Helfer vergangene Woche von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht und gelobt.

Geld- und Sachspenden werden gesucht

Da sich die private Initiative zum großen Teil durch Spenden finanziert, sind die Organisatoren auch weiterhin auf Geld- und Sachspenden von Unterstützern angewiesen. Das "Helfer-Shuttle" hat dafür eine eigene Liste auf Amazon Smile errichtet. Hier wird eingetragen, was vor Ort benötigt wird, Spender können sich dann mit einem Klick beteiligen. Weitere Infos dazu finden Sie hier.  

Noch immer erschreckende Lage

Unterdessen ist eine Rekord-Spendensumme von über 260 Millionen Euro beim Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" für die Opfer der Hochwasserkatastrophe eingegangen. Trotz allem zeichnet sich auch drei Monate nach der Kathastrophe vor Ort noch immer ein erschreckendes Bild der Lage ab: In den Gemeinden stehen immer noch Suppenküchen, die Bewohner  und Helfer mit warmen Mahlzeiten versorgen.

Wärme- und Trinkwasserversorgung steht nicht bei allen

Vielen Haushalten fehlt weiterhin ein direkter Anschluss an die Wärmeversorgung, auch der Trinkwasserzugang ist noch nicht in allen Häusern sichergestellt. Die Stadt erklärte dazu, dass bis spätestens November Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder komplett ins Wärmenetz aufgenommen werden kann. Solange müssen die Betroffenen allerdings mit eigens angeschafften Gastanks oder Elektro-Öfen zurechtkommen.

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