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Kind in Sack erstickt: Prozess gegen Mutter

Kind in Sack erstickt - Prozess gegen Mutter in Hanau beginnt

© dpa

Symbolbild

Knapp ein Jahr nach dem Mordurteil gegen eine mutmaßliche Sekten-Chefin, die einen vierjährigen Jungen in einem Sack erstickt haben soll, muss sich nun auch die Mutter des Kindes vor dem Landgericht Hanau verantworten.

Sie soll ihren Sohn am 17. August 1988 aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Der Prozess gegen sie hat am Nachmittag begonnen. Die Kammer habe die Anklage zugelassen unter der Maßgabe, dass sowohl der Vorwurf des gemeinschaftlichen Mordes als auch eine Beihilfe zum Mord in Betracht komme, sagte ein Sprecher des Landgerichts der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hat das Landgericht 15 Prozesstage bis einschließlich 21. Dezember angesetzt.

Hat Mutter den Tod billigend in Kauf genommen?

Die 60-jährige Frau soll das Kind in einem verschnürten Sack in die Obhut der im vergangenen September verurteilten, mutmaßlichen Sekten-Chefin gegeben haben, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben soll.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte die Frau auf die Mutter des Jungen eingeredet und sie davon überzeugt, dass ihr Sohn die "Reinkarnation Hitlers, ein Machtsadist und von den Dunklen besessen" sei. Deshalb habe die Mutter den Tod des kleinen Jungen billigend in Kauf genommen.

Justizsprecher Dominik Mies im harmony.fm-Interview

Was war das Motiv für die Tat?

Mutmaßlicher gemeinschaftlich begangener Mord

Die 60-Jährige war einen Tag nach dem Mordurteil gegen die mutmaßliche Sekten-Chefin in Leipzig festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Zunächst war gegen sie Haftbefehl wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Mord ergangen.

Durch die Ermittlungen sei man zu der rechtlichen Bewertung als mutmaßlicher gemeinschaftlich begangener Mord gekommen, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärt.

Tod war lange für Unfall gehalten worden

Das Hanauer Landgericht hatte die mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, wogegen sie Revision eingelegt hatte. Sie soll den bis über den Kopf eingeschnürten Jungen seinem Schicksal überlassen haben, obwohl sie die Schreie des Kindes und dessen Panik wahrgenommen habe. Das Kind soll ohnmächtig geworden und an seinem Erbrochenen erstickt sein.

Ermittler hatten den Tod des Jungen lange Jahre für einen Unfall gehalten - erst 2015 war der Fall nach Hinweisen von Sekten-Aussteigern wieder aufgerollt worden.

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