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Wie geht es im Herbst in den Schulen weiter?

Vorbereitungen auf Schulbeginn - Hessens Kreise prüfen Luftfilter-Bedarf

© DPA

In einigen Schulen stehen sie schon: Stationäre oder mobile Luftfilter. Vor allem dort, wo schlecht gelüftet werden kann, sollen sie den Unterricht sicherer machen.

Nach Monaten im Home Schooling und Wechselunterricht wird derzeit nach Möglichkeiten gesucht, wie der Unterricht nach den Sommerferien so sicher und normal wie möglich gestaltet werden kann.

Eine wichtige Rolle könnten dabei mobile und stationäre Luftreiniger spielen. Eine harmony.fm-Recherche zeigt: Die Kreise in Hessen prüfen derzeit ihren Bedarf.

Bund gibt 200 Millionen Euro

Die Bundesregierung hat für die Anschaffung mobiler Luftreiniger 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. So soll der Präsenzbetrieb in Schulen und Kitas möglichst sichergestellt werden. Die Länder können die Mittel beantragen und sind für die Umsetzung verantwortlich. Zusätzlich fördert der Bund schon seit vergangenem Herbst die Aufrüstung von stationären, also festinstallierten, Luftfilteranlagen in öffentlichen Einrichtungen wie Hochschulen, Kitas und Schulen.

Lüften bleibt das A und O

Die Förderung für mobile Luftfilter vom Bund bezieht sich auf Geräte, die in Klassenzimmern eingesetzt werden, wo nur wenig und schlecht oder sogar gar nicht gelüftet werden kann. Außerdem sollen Kinder bis 12 Jahren davon profitieren, da es für die bisher keinen zugelassenen Impfstoff gibt. So sollen zunächst Kitas und Grundschulen ausgestattet werden. Regelmäßiges Lüften wird dennoch die wichtigste Maßnahme bleiben, um die Infektionszahlen niedrig zu halten, sagt uns auch Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz im harmony.fm-Interview.

Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz: "Das einzig Wirksame ist das offene Fenster"

Alles andere sind nur Ergänzungen, sagt Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz im harmony.fm-Interview.

© harmony.fm

Vize-Landrat des Lahn-Dill-Kreises Roland Esch: "Mobiles technisches Gerät kann Lüften nicht ersetzen"

sagt der Vize-Landrat vom Lahn-Dill-Kreis Roland Esch am harmony.fm-Mikro

© harmony.fm
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Wo werden noch Luftfilter gebraucht?

Derzeit prüfen viele Kreise als zuständige Schulträger, an welchen Schulen noch mobile Luftreiniger gebraucht werden. Das zeigt eine harmony.fm-Stichprobe. So sagt uns ein Sprecher vom Kreis Marburg-Biedenkopf in Mittelhessen: "Die Notwendigkeit wird durch den Landkreis selbst an allen 75 Schulstandorten vor Ort geprüft. 70 mobile Geräte sind bereits im Einsatz. Weitere knapp 300 mobile Geräte sind bestellt."

Ähnlich sieht es im Landkreis Fulda aus. Der Kreis hat im Rahmen von Fördermitteln bereits 68 hochwertige mobile Luftreinigungsgeräten den Schulen zur Verfügung gestellt, hieß es auf harmony.fm-Anfrage. 300 weitere Anlagen seien bereits bestellt und würden noch in den Sommerferien erwartet. 

Main-Kinzig-Kreis stattet bis Herbst 900 Klassenräume aus

Der Main-Kinzig-Kreis wird bis zum Herbst 900 Klassenräume der Jahrgangsstufen 1 bis 6 mit Luftfilteranlagen ausstatten. "Wir wollten nicht darauf warten, bis der Bund möglicherweise finanziell unterstützt, und wir wollen auch nicht nur die Klassenräume mit Luftfiltern ausstatten, in denen das Lüften nicht gut möglich ist, sondern alle Klassenräume. Deswegen stemmen wir die Anschaffung der Luftfilter nun selbst", so der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz, im Gespräch mit harmony.fm.

Landrat Stolz: "Jüngere Kinder müssen durch Luftfilter geschützt werden"

Es werden ganz gezielt alle Grundschul-Klassenräume und die Räume der Jahrgangsklassen 5 und 6 mit Luftfiltern ausgestattet, weil die jüngeren Kinder nicht geimpft werden können. "Für Kinder ab 12 Jahren stehen Impfungen zur Verfügung - diese Möglichkeit haben die kleineren Kinder einfach nicht. Deshalb sind vor allem sie auf diesen zusätzlichen Baustein angewiesen", so Stolz. Ein Ersatz für das Lüften könnten die Luftfilter aber auf keinen Fall sein - sondern eine zusätzliche Option. Das regelmäßige Stoßlüften sei auch in Klassen mit Luftfiltern ein Muss, so Stolz.

Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz: "Die Luftfilteranlagen können das Lüften nicht ersetzen."

Der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz, zu den Luftfiltern.

harmony.fm-Reporterin Eva-Maria Lauber an der Kopernikusschule in Freigericht

In der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn wurde bereits ein Lern- und Arbeitsraum mit zwei Luftfilteranlagen ausgestattet. "Dieser Raum hat keine Fenster - und wenn wir die Luftfilter nicht gehabt hätten, hätten wir ihn überhaupt nicht nutzen können. Dabei war er während des letzten Lockdowns sehr wichtig für uns, da wir hier die Notbetreuung durchgeführt haben", so die stellvertretende Schulleiterin, Kerstin Schmeckthal, am harmony.fm-Mikro. Die Luftfilteranlagen sehen aus wie große, schmale, weiße Schränke - und sind sehr leise. Schmeckthal freut sich, dass auch die Klassen der Jahrgangsstufen 5 und 6 an ser Schule Luftfilteranlagen bekommen: "Das ist einfach ein toller, weiterer Baustein in der Pandemie-Bekämpfung", so Schmeckthal. 

Kerstin Schmeckthal, stellv. Leiterin der Kopernikusschule: "Finde es klasse, dass wir weitere Luftfilteranlagen bekommen."

Kerstin Schmeckthal, stellvertretende Schulleiterin der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn, freut sich über die Initiative des Main-Kinzig-Kreises.

© harmony.fm

Der Luftreiniger in der Kopernikusschule in Freigericht-Somborn im Main-Kinzig-Kreis

Eine teure Anschaffung

Auch der Kreis Kassel hat sich bei Grundschulen, Förderschulen und den Klassen 5/6 der weiterführenden Schulen umgeschaut und kommt auf einen Bedarf von rund 550 mobilen Luftfiltern. Kostenpunkt: rund 2 Millionen Euro.

In Frankfurt gehen nahezu 100.000 Schülerinnen und Schüler zur Schule und wir haben nun 84 Grundschulen auszustatten, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber. "Ich rechne mit Kosten in Höhe von 10 Millionen Euro für die mobilen Luftreinigungsgeräte“, kalkuliert die Stadträtin. 

Laute Stromfresser

Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz merkt im harmony.fm-Interview einen weiteren Punkt an: Die Luftfilteranlagen sind laut und fressen jede Menge Strom. In alten Schulgebäuden bestehe das Risiko, dass die Sicherungen rausfliegen, sobald mehrere Luftfilter gleichzeitig in Betrieb sind.

Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz: "Stromnetz ist auf so eine Dauerlast nicht ausgelegt"

sagt Wiesbadens Schuldezernent Axel Imholz

© harmony.fm

Geräte, die die Luft austauschen

Ein Sprecher der Stadt Kassel sagte auf harmony.fm-Anfrage, dass die Stadt nur auf solche Luftreiniger setzt, die die Luft auch tatsächlich austauschen. Diese müssten von mobilen Luftfiltern unterschieden werden, die nur die vorhandene Luft reinigten. Die Stadt nutze die Geräte dort, wo nicht über die Fenster gelüftet werden könne. Etwa an der Unterneustädter Schule an der viel befahrenen Leipziger Straße. In modernen Schulgebäuden würden Lüftungsanlagen in Kassel schon zur Standardausstattung gehören. 

Auch stationäre Luftfilter im Einsatz

Von den 36 Schulen im Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen haben laut einem Kreissprecher in der Vergangenheit drei Schulen mobile Luftreinigungsgeräte und eine Schule stationäre raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) nachgefragt. Diese RLT-Anlagen sollen laut Kreis noch in den Sommerferien eingebaut werden. Geplant sei, alle 890 Unterrichtsräume mit Lüftungsanlagen statt mit mobilen Luftreinigungsgeräten auszustatten, wobei die 21 Grundschulen oberste Priorität hätten.

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