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Infektionsketten in Hessen oft nicht ermittelbar

Hessische Ämter am Limit - Infektionsketten oft nicht ermittelbar

© dpa

Eine Mitarbeiterin eines Gesundheitsamtes telefoniert mit Corona-Infizierten

Es ist das, was die Politik mit aller Macht verhindern will: Dass Corona-Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Doch mehr und mehr geraten Gesundheitsämter in Hessen bei der Nachverfolgung an ihre Grenzen. Ein erheblicher Anteil der Ansteckungen lässt sich nicht mehr nachvollziehen. 

Dreiviertel der Infektionsquellen in Wiesbaden unklar

Bei größeren Ausbrüchen - beispielsweise auf privaten Feiern - lassen sich Infektionsketten noch nachvollziehen, bei vielen Einzelfällen dagegen kaum. Bei der Mehrheit der Fälle sei der Ort oder Anlass der Infektion nicht nachvollziehbar., sagt ein Sprecher der Stadt Wiesbaden. Seit Ende September betreffe das 76 Prozent der gemeldeten Fälle. Allerdings werde in einigen noch ermittelt. Die Corona-Warn-App könne helfen, werde jedoch nicht ausreichend genutzt.

Auch Schwierigkeiten in Frankfurt

Abseits größerer Infektionsherde sei es in Frankfurt im Allgemeinen "in weniger als 50 Prozent der gemeldeten Fälle möglich, eine Person oder Situation zu definieren, von der die Infektion ausging". Gut nachvollziehbar seien Erkrankungen bei Personen, die fünf bis sieben Tage nach dem Kontakt zur Erkrankten getestet würden.

Corona-Hotspot Offenbach steht besser da

Vergleichsweise gut steht Hessens größter Hotspot, die Stadt Offenbach, da: Nur bei 29,4 Prozent der Infektionen sei die Ansteckung nicht mehr nachvollziehbar. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf erklärt, dass bei bestätigten Covid-19-Infektionen in den vergangenen 14 Tagen in rund 36 Prozent der Fälle kein Kontext ermittelbar war. Allerdings seien das noch keine abschließenden Ergebnisse, sagte ein Sprecher.

Hilfen für Groß-Gerau

Der Kreis Groß-Gerau nennt keine Zahlen, sondern erklärt, dass man bei einem "großen Teil" der Fälle, die sich außerhalb eines Haushalts infizierten, keine Quelle ermitteln könne. Hier sollen jetzt Bundeswehr und Medizinstudenten bei der Kontaktpersonennachverfolgung helfen. Auch in Offenbach und Frankfurt hilft die Bundeswehr.

Ärzte kritisieren Strategie

Angesichts der hohen Belastung der Gesundheitsämter in Hessen stellt der Verband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes die Strategie der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten infrage. "Die Frage ist: Ist es sinnvoll, allen Verdachtsfällen nachzujagen oder wenden wir uns den kranken Leuten zu? Verbrennen wir weiter Laborkapazitäten oder schalten wir langsam in den Modus medizinischer Vernunft um und kümmern uns um die Infizierten/Kranken und Schutzbedürftigen?", sagte Jürgen Krahn, Vorstand der Verbands in Hessen. 

Klose will Infektionszahlen senken

Hessens Sozialminister Kai Klose hatte bei einer Pressekonferenz am Montag das Ziel genannt, die Infiziertenzahlen nach unten zu drücken, um eine Nachverfolgbarkeit von Infektionen durch die Gesundheitsämter weiter zu gewährleisten.

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