Webradio starten
ON AIR:
Nachrichten > Südhessen, Top-Meldungen >

Tausende Verstöße gegen Fahrverbote in Darmstadt

Ein Jahr Dieselfahrverbote - Tausende Verstöße in Darmstadt

© dpa

Tempo 30 Tag und Nacht auf einem Teil der Darmstädter Heinrichstraße  

Seit gut einem Jahr gilt für Abschnitte zweier Hauptverkehrsadern in Darmstadt ein Fahrverbot für alte Diesel und Benziner. Auch für Laster sind die Strecken wegen der Luftverschmutzung tabu. Doch viele Verkehrssünder ignorieren das Verbot.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die schwarz-grüne Landesregierung hatten sich darauf geeinigt, einen 640 Meter langen Abschnitt der viel befahrenen Hügelstraße und 330 Meter der Heinrichstraße für Dieselfahrzeuge bis Euronorm 5 und für Benziner bis Euronorm 2 zu sperren.

Tausende wurden schon geblitzt

Die aktuellsten Auswertungen zeigen: In mehr als 16.500 Fällen ignorierten bis in den März und April hinein Fahrer von Autos und Lastern schlicht das Fahrverbot. Präsenzkontrollen der kommunalen Behörden noch nicht einmal mitgerechnet. Erkannt werden Sünder, weil sie beim Überfahren einer roten Ampel oder wegen zu hoher Geschwindigkeit geblitzt werden. Seit einigen Wochen hat die Stadt den Verfolgungsdruck erhöht und blitzt nun auch verdachtsunabhängig. Offensichtlich mit Erfolg, denn die Zahl der Fahrverbots-Ignoranten ist inzwischen rückläufig.

Heinrichstraße positiv 

In Darmstadt waren 2018 an Messstellen Jahresmittelwerte an der Hügelstraße von knapp 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid und an der Heinrichstraße von rund 54 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden. In den Jahren davor lagen die Werte noch höher. Der EU-Grenzwert liegt bei einem Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Im Mittel seien die Werte durch die Fahrverbote, kombiniert auch durch Tempo-30-Zonen seit Juni 2018 um 30 Prozent gesunken. In der Heinrichstraße würden Messungen unterhalb der Grenzwerte liegen. An der Hügelstraße teilweise aber noch nicht.

Bald Schritttempo in der Hügelstraße?

Die optimistische Einschätzung der Stadt beim Rückgang der Schadstoffe teilt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) indes nur für die Heinrichstraße. Zwar seien die Werte in Darmstadt drastisch verbessert worden, doch gebe es in der Hügelstraße auch in den ersten vier Monaten 2020 keine Entwarnung, sagt Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. "Wir werden in den nächsten Tagen das Land auffordern, geeignete Maßnahmen zu ergreifen." Die Hügelstraße sei einer der schmutzigsten Orte Deutschlands. "Es gibt Vereinbarungen. Wenn keine neuen Änderungen kommen, werden wir Zwangsmaßnahmen einleiten." Denkbar sei eine Ausdehnung des Fahrverbots auf weitere Fahrzeugtypen oder auch Schritttempo in dem Abschnitt.

nach oben