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Wurst-Skandal: Liste der Abnehmer gibt es nicht

Wurst-Skandal bei Wilke - Liste der Abnehmer-Betriebe gibt es nicht

Im Wurst-Skandal um die Firma Wilke aus Twistetal hat das Verwaltungsgericht Kassel einen Eilantrag von foodwatch abgelehnt und damit entschieden, dass der Landkreis Waldeck-Frankenberg keine Liste der Betriebe veröffentlichen muss, die Wilke-Wurstwaren bezogen haben.

Liste gibt es auch gar nicht

Zur Begründung heißt es vom Gericht einerseits, dass es sich nach dem Gesetz nicht um Daten handelt, auf die jeder freien Zugang habe. Außerdem sei Voraussetzung für die Veröffentlichung der Liste, dass diese Informationen überhaupt gebündelt bei den Behörden vorliegen - und dies sei nicht der Fall. Die Behörde treffe keine "Informationsbeschaffungs- oder Informationsaufarbeitungspflicht."

Die Entscheidung zeigt nach Ansicht von Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker: "Die Gesetze sind nicht ausreichend, um die Menschen wirksam vor Gesundheitsgefahren zu schützen." Das Landkreis hatte zuvor schon betont, dass es keine Liste mit allen Betrieben, die von der belasteten Wurst beliefert wurden, gebe. Foodwatch hatte dem entgegnet, dass sei keine Entschuldigung, dann müssten die Behörden eine erstellen.

Wurst-Skandal: Liste der Abnehmer gibt es nicht

Verwaltungsgericht: Abnehmer-Liste muss nicht veröffentlicht werden
harmony.fm-Reporter Patrick Schuhmacher:

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Land Hessen setzt Landkreis 14-Tage-Frist

Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz hat unterdessen dem Kreis Waldeck-Frankenberg eine Frist von 14 Tagen gesetzt. Bis dahin will sie einen Bericht haben, wie die Kontrollen abgelaufen sind.

Sie hat außerdem harmony.fm-Recherchen und Angaben des Robert-Koch-Instituts bestätigt, wonach die Zahl der Todesfälle inzwischen bei drei liegt. Zuvor hieß es, zwei Menschen aus Südhessen wären nach dem Verzehr von Wilke-Wurstwaren ums Leben gekommen. Die Todesopfer kommen demnach nicht aus Hessen, sondern aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Brisant: 37 Erkrankungen gab es in den letzten Jahren, die jetzt mit diesem Ausbruch in Zusammenhang gebracht werden und der erste Fall stammt schon aus dem Jahr 2014. Laut eines neuen Berichtes des Robert-Koch-Instituts ist die Zahl der Fälle Mitte 2018 leicht angestiegen, die Dunkelziffer dürfte aber weitaus höher sein, denn nicht jede Listeriose-Erkrankung werde erkannt. Die bisher gemeldeten Fälle verteilen sich demnach auf zwölf Bundesländer, die meisten in Nordrhein-Westfalen.

Desinfektion seit Anfang September nötig

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums gab es ab dem 5. September Anweisungen für eine grundlegende Desinfektion in dem Betrieb und eine Reinigung der Schneidegeräte. Das Ministerium habe erst am 16. September von dem Zusammenhang der Listerienfunde mit Krankheits- und Todesfällen erfahren. Ab dem 20. September hätten von jedem Produkt Proben genommen werden müssen. Geschlossen wurde die Firma Wilke erst am 2. Oktober.

Hinz fordert mehr Befugnisse

Ob da beim Kreis geschlampt worden sei oder nicht, könne sie noch nicht sagen. "Das maße ich mir nicht an", sagte Hinz. Es müsse nun erstmal der Bericht abgewartet werden. Hinz forderte aber erneut mehr Befugnisse des Landes. In diesem Fall habe man den Landkreis nur bitten können. "Wir haben auf eine Schließungsverfügung gedrungen", sagte Hinz. Letzten Endes zuständig sei aber der Kreis. "Wir werden das jetzt aufarbeiten."

Hessens Umweltministerin Priska Hinz

Der Kreis Waldeck-Frankenberg hat zwei Wochen um einen Bericht zu den Abläufen zu liefern

Wurst-Skandal: Liste der Abnehmer gibt es nicht

harmony.fm-Reporter Benjamin May
Ministerin Hinz bei einem Besuch der Task Force Lebensmittelsicherheit

© harmony.fm
Wurst-Skandal: Liste der Abnehmer gibt es nicht

harmony.fm-Reporterin Madleen Khazim
Die Dunkelziffer der Verdachtsfälle könnte hoch sein

© harmony.fm

Liste mit Wilke-Abnehmern veröffentlicht

Unterdessen wird die Liste der Abnehmer von Wilke-Wurstwaren immer länger. Auch in den Mensen der Universitäten Marburg und Gießen ist die potentiell keimbelastete Wurst verarbeitet und verkauft worden. Das bestätigte uns eine Sprecherin der Philipps-Universität Marburg. Auch das Klinikum Fulda wurde beliefert. Krankheitsfälle wegen der Wurst wurden dort bislang nicht bekannt.

Die Behörden haben hier eine Liste mit Bildern der Produkte veröffentlicht, die von Wilke stammen - sie ist allerdings noch nicht vollständig, wird aber fortlaufend ergänzt.

Erst im Juli neues Zertifikat

Wilke ist offenbar auf legalem Weg noch im Juli an ein Prüfzertifikat des Lebensmittelhandels gekommen. Das Unternehmen habe der Prüfungsgesellschaft DQS die nötigen Unterlagen wie Laboranalysen, Inspektionsberichte und Besuchsprotokolle der Lebensmittelaufsicht vorgelegt, sagte Stephan Tromp, Geschäftsführer der Dachorganisation IFS-Management: "Insofern gehen wir nach derzeitigem Sachstand nicht davon aus, dass DQS vom Wilke getäuscht wurde." Zuvor hatte die Zeitung "Welt" darüber berichtet.

Kontrolleure haben sich angemeldet

Allerdings nutzte das Unternehmen laut Tromp eine legale Möglichkeit, sich auf den Besuch der Prüfer vorzubereiten: Es wählte eine Prüfvariante, bei der sich die Kontrolleure anmelden. Dabei habe Wilke belegt, dass ein Listerien-Ausbruch vom April 2019 erfolgreich bekämpft war. Tromp vermutet daher, dass es bei Wilke zwei Ausbrüche der Keime gab - vor und nach der Prüfung.

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